WritingTankquittung · 05.10.2026

Ölmarkt · Hormus · Tankrabatt · Oktober 2026

Die Drei auf der Preistafel

Meine These: Noch in diesem Jahr steht an deutschen Tankstellen eine 3 vor dem Komma. Nicht wegen der Steuern, sondern weil Öl fehlt — mehr als zehn Millionen Barrel am Tag, seit die Straße von Hormus Ende Februar gesperrt wurde. Ich habe den Markt einmal von vorn bis hinten durchgerechnet: Rohöl, Tanker, China, Diesel, den Kassenbon für einen Liter. Und den Tankrabatt, über den alle streiten — und der an dieser Rechnung nichts ändert.

Säule 01

Die Tafel heute

Der September 2026 war der teuerste Monat, den der ADAC je gemessen hat: Super E10 im Monatsmittel 2,266 Euro, Diesel 2,386 Euro je Liter. Am 16. September 2026 kostete E10 im Tagesmittel 2,314 Euro, am Tag darauf Diesel 2,471 Euro. Beides liegt über den Rekorden vom März 2022, als Russland die Ukraine überfallen hatte (Q1, Q4). Der ADAC überschrieb seine eigene Auswertung mit: „Entwicklung nicht allein durch Rohölpreis erklärbar.“ Das stimmt, und der Grund steht in Säule 06.

Seit dem 1. Oktober gilt der zweite Tankrabatt dieses Jahres, 14,04 Cent weniger Energiesteuer je Liter, mit Mehrwertsteuer 16,7 Cent (Q8). Am Sonntag, dem 4. Oktober, lag das Tagesmittel bei 2,137 Euro für E10 und 2,253 Euro für Diesel. Die dpa-Meldung vom Montag trug die Überschrift: „Sprit teurer als zu Beginn des Tankrabatts“ (Q2). Der Rabatt ist an der Zapfsäule angekommen, zwölf bis sechzehn Cent davon. Vier Tage, dann zeigte der Preis wieder nach oben.

Was ein Liter kostete, und wo die Drei liegt

Euro je Liter · ADAC-Tagesmittel bzw. Monatsmittel
2008 gab es noch kein E10, der Wert ist Super. Die gestrichelte Linie ist die These. Quellen: Q1, Q2, Q4, Q5, Q6.

Von 2,253 auf 3,00 Euro fehlen beim Diesel 75 Cent, beim E10 86 Cent. Das klingt nach viel. Im März 2022 ist der Diesel innerhalb weniger Tage um 56 Cent gestiegen (Q4). Und im September 2026 lag er an einem Tag schon bei 2,471 Euro, da fehlten 53 Cent. Der Rest dieses Textes erklärt, woher die kommen können.

Säule 02

Der Weltmarkt: 101 auf dem Bildschirm, 114 im Hafen

Wer den Ölpreis nachschlägt, bekommt den Terminmarkt gezeigt: Brent-Frontmonat an der ICE, am 5. Oktober 101,31 Dollar je Barrel, 54,7 Prozent mehr als vor einem Jahr (Q11). Das ist nicht der Preis, den eine Raffinerie für ein Schiff voll Rohöl bezahlt. Der physische Preis, Dated Brent, lag Ende September bei 113,96 Dollar und im Septembermittel bei 114,08 Dollar (Q9). Mitte September wurden physische Ladungen zeitweise über 135 Dollar gehandelt, der Preisabstand zwischen sofortiger und sechs Monate späterer Lieferung lag über 20 Dollar (Q14). So sieht ein Markt aus, in dem Ware fehlt, nicht Papier. Die Bank MUFG nennt es den größten Ölpreisschock der Geschichte (Q19).

Brent 2026: Monatsmittel des physischen Markts

US-Dollar je Barrel · EIA, Dated Brent
Jahresanfang 61,98 Dollar, Spitze 138,21 Dollar am 7. April 2026, Septembermittel 114,08 Dollar. An 71 Handelstagen 2026 lag der Preis über 100 Dollar (Q9). Die rot gefärbten Monate sind die über 100.

In Euro ist es noch nicht ganz so schlimm wie 2022, weil der Euro stärker ist: Die Spitze vom April entsprach 119,44 Euro je Barrel, im März 2022 waren es 122,39 Euro (Q9, Q10). Aber der Euro gibt nach — minus 3,6 Prozent in einem Monat, auf 1,1204 Dollar (Q12) — und jeder Cent weniger am Kurs macht das Öl für uns teurer, ohne dass sich am Markt etwas ändert.

Die Prognosen gehen in beide Richtungen, und man sollte beide kennen. Die amerikanische Energiebehörde EIA erwartet für das zweite Halbjahr 2026 im Mittel 90 Dollar, für 2027 nur noch 74 Dollar, weil die Golfförderung dann zurückkommt (Q15). Goldman Sachs hat im September auf 85 Dollar für Dezember erhöht (Q17), nennt aber seit Juli einen Fall, in dem Hormus gestört bleibt: dann über 120 Dollar im vierten Quartal (Q16). Fünf Tage vor Kriegsbeginn hatte dieselbe Bank 60 Dollar für das vierte Quartal erwartet (Q18). Das ist keine Kritik an Goldman. Es ist der Hinweis, dass Prognosen in dieser Lage Annahmen über einen Krieg sind.

Gemessen und prognostiziert

US-Dollar je Barrel
5075100125150Gemessen 2026Prognosen und Szenarien2. Jan.7. Apr. SpitzeSept. Mittel5. Okt. TerminEIA 2027Goldman Dez.EIA 2. Hj.Goldman, Hormus zuIW-Szenario
5075100125150voll: gemessen · hohl: PrognoseUSD je Barrel
2. Januar 2026, physischgemessen62 $
7. April 2026, Spitze, physischgemessen138 $
September 2026, Monatsmittel, physischgemessen114 $
5. Oktober 2026, Terminmarktgemessen101 $
EIA, Mittel 2027Prognose / Szenario74 $
Goldman Sachs, Dezember 2026Prognose / Szenario85 $
EIA, zweites Halbjahr 2026Prognose / Szenario90 $
Goldman Sachs, Hormus bleibt zu, 4. QuartalPrognose / Szenario120 $
IW-Szenario, 150 DollarPrognose / Szenario150 $
Gefüllte Punkte: gemessen (Q9, Q11). Hohle Punkte: Prognosen und Szenarien (Q15, Q16, Q17, Q91). Das IW-Szenario mit 150 Dollar ist keine Prognose, sondern die Annahme einer Modellrechnung zur Inflation, siehe Säule 09.
Säule 03

Wie viel Öl fehlt

Der Krieg begann am 28. Februar 2026 mit amerikanischen und israelischen Luftangriffen auf den Iran; die Antwort war die Sperrung der Straße von Hormus (Q32). Durch diese Meerenge ging vor der Krise ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls (Q32). Seitdem: eine amerikanische Luftkampagne ab dem 19. März, eine Waffenruhe am 7. April, eine Absichtserklärung im Juni, die am 7. und 8. Juli mit Angriffen auf Schiffe vor Oman endete, dann erneut die amerikanische Blockade iranischer Häfen (Q31). Seit dem 26. August gibt es eine vorläufige Route zwischen Iran und Oman (Q35), seit dem 28. September wieder indirekte Gespräche über Katar (Q36). Am 1. Oktober wurde in der Straße ein kuwaitischer Supertanker getroffen und brannte (Q46).

Wie offen die Straße ist, hängt davon ab, wen man fragt. Die Schiffszählung des IWF sah am 27. September einen einzigen Transit, vor der Krise waren es 85 am Tag (Q33). HSBC schätzt den Ölfluss Anfang Oktober auf rund zehn Millionen Barrel am Tag, nach sechs Anfang September (Q34). Die beiden Zahlen passen nicht zusammen; eine Zählung sieht nur, was sich zu erkennen gibt, und in der Straße fährt vieles ohne Transponder. Was sich belegen lässt, sagt die Internationale Energieagentur IEA so: Mehr als zehn Millionen Barrel Golfförderung am Tag sind stillgelegt, und die Erholung kommt nicht vor 2027 (Q20). Zum Vergleich: Der größte plötzliche Ausfall davor, der Angriff auf Abqaiq 2019, waren 5,7 Millionen Barrel am Tag (Q108).

Golfförderung stillgelegt> 10 mb/dim August, IEA (mb/d: Millionen Barrel am Tag); im April waren es 14,4 (Q20, Q21)
Weltangebot100,1 mb/dim August, nach 107,9 im Februar und 95,1 im April (Q20, Q21)
Lagerabbau seit Februar507 Mio. Barrel2,8 Millionen Barrel am Tag im Mittel, 95 Millionen allein im August (Q20)
Nachfrage 2026−2,5 mb/dgegenüber 2025; vor dem Krieg war Wachstum erwartet (Q20)

Das Weltangebot ist von knapp 108 Millionen Barrel am Tag im Februar auf 95,1 im April gefallen und hat sich bis August auf 100,1 erholt (Q20, Q21). Die Lücke wird aus vier Töpfen gedeckt: Andere Förderer pumpen mehr, vor allem die USA, Kanada, Brasilien, Guyana und Argentinien. Die Welt verbraucht weniger, weil Preise rationieren. Und die Lager laufen leer, die kommerziellen wie die staatlichen. Was dann noch fehlt, steckt in Schiffen auf See und in Messfehlern.

Wo die fehlenden Barrel herkommen

Millionen Barrel am Tag · August 2026 · Überschlag
AusfallGolfförderung stillgelegt10,0 mb/d
Ausgleichwo die Barrel herkommen10,0 mb/d
Ausfall: IEA, „mehr als 10 mb/d“. Andere Förderer: Augustangebot minus Februarangebot ohne den Ausfall, also 100,1 − (107,9 − 10). Nachfragerückgang: IEA-Jahresprognose. Lagerabbau: 95 Millionen Barrel im August, durch 31 Tage. Die Rechnung geht nicht glatt auf; der Rest sind Öl auf See und Messdifferenzen (Q20, Q21).

Der wichtigste Topf ist der dritte. Am 11. März beschlossen die 32 IEA-Staaten die größte Reservefreigabe ihrer Geschichte, 400 Millionen Barrel (Q22); Anfang Oktober waren rund 325 Millionen davon auf dem Markt (Q23). Die amerikanische strategische Reserve stand Ende September bei 283,8 Millionen Barrel, 30,2 Prozent weniger als vor einem Jahr (Q24). Deutschland hat 19,5 Millionen Barrel zugesagt und bislang 600.000 Tonnen, gut vier Millionen Barrel, freigegeben — knapp ein Viertel davon (Q100, Q101). Die 325 Millionen Barrel seit März sind rund 1,6 Millionen Barrel am Tag, also mehr als die Hälfte des Lagerabbaus, den die IEA beobachtet. Reserven sind ein Puffer, keine Quelle. Jedes Barrel, das heute aus dem Lager kommt, muss später zurückgekauft werden — zu welchem Preis auch immer.

Und die OPEC? Sie hat am 4. Oktober beschlossen, ihr Förderziel von 31,1 Millionen Barrel am Tag für November nicht zu ändern (Q25). Das Ziel ist Papier: Die sieben Kernmitglieder förderten im August rund 25 Millionen Barrel, fünf Millionen unter dem Februar, weil die Häfen der Golfstaaten unter ihnen hinter der Meerenge liegen (Q26). Die Emirate sind laut Berichten seit Mai nicht mehr Teil des Kartells (Q27). Saudi-Arabien hat am selben Tag seine Preise für Asien auf fünf Dollar unter die Referenz gesenkt, so tief wie seit 2020 nicht, und für Europa um drei Dollar erhöht (Q28, Q29). Wer westlich liefern kann, durch die Pipeline nach Yanbu ans Rote Meer, lässt sich das bezahlen — soweit die Pipeline läuft; im September stand auch sie zeitweise still (Q14). Nennenswerte Reservekapazität, die den Markt erreichen könnte, gibt es derzeit nicht: Sie liegt hinter derselben Meerenge.

Die Amerikaner fördern rund 13,8 Millionen Barrel am Tag, nahe dem Rekord vom Oktober 2025 (Q15), und haben 49 Bohranlagen mehr im Einsatz als vor einem Jahr (Q30). Das hilft, aber langsam: Schieferöl antwortet in Monaten, nicht in Wochen, und es ersetzt leichtes Öl, nicht das schwere Golföl, aus dem die Raffinerien Diesel machen.

Säule 04

Die Tanker: eine Million Dollar am Tag

Öl, das nicht durch die Meerenge kommt, muss weiter fahren, und Öl, das durchkommt, braucht ein Schiff, das sich traut. Beides kostet. Ein Supertanker der VLCC-Klasse, zwei Millionen Barrel, verdiente auf der Route Golf–China in der Woche bis zum 25. September rund 1,24 Millionen Dollar am Tag (Q37); am 21. September meldete LSEG einen Rekord von 1,27 Millionen (Q39). Im März war es ein Zehntel davon (Q40).

Was ein Supertanker am Tag verdient

US-Dollar je Tag · VLCC, Golf–China (TD3C)
Der graue Balken ist der Terminmarkt für das vierte Quartal: Die Reeder erwarten einen Rückgang, aber auf ein Niveau, das vor dem Krieg ein Spitzenwert gewesen wäre (Q37–Q42).

Dazu die Versicherung. Vor dem Krieg kostete die Kriegsrisikodeckung für eine Golfpassage 0,25 Prozent des Schiffswerts. Im März gab es sie wieder, zu einem Prozent je sieben Tage (Q43). Nach der Eskalation im Juli nannte der Makler Marsh 3,5 bis 7,5 Prozent je Passage (Q44); für einen großen Tanker waren das in der Spitze rund 21 Millionen Dollar für eine einzige Durchfahrt (Q45). Der Treffer auf den kuwaitischen VLCC am 1. Oktober (Q46) war nicht der einzige: Seit dem 27. September wurden nach Zählung eines Beobachterdienstes mindestens sechs Schiffe getroffen (Q112).

Auf den Liter umgerechnet: Eine VLCC-Rundreise vom Golf nach Europa dauert rund 40 Tage. Bei 1,2 Millionen Dollar am Tag und zwei Millionen Barrel Ladung sind das 24 Dollar je Barrel Fracht, dazu zwei bis vier Dollar Versicherung — rund 26 Dollar je Barrel, wo es früher 2,5 waren. Das sind, über den Daumen, 15 Cent je Liter, bevor das Öl überhaupt eine Raffinerie sieht.

Dann die Schattenflotte. Über alle Sanktionslisten der USA, der EU, Großbritanniens und der Schweiz sind 1.952 Schiffe gelistet, davon 1.074 Tanker, 911 mit Russland- und 650 mit Iran-Bezug (Q47). Die EU hat seit ihrem 21. Paket vom Juli über 670 Schiffe auf der Liste (Q48). Diese Schiffe fahren trotzdem. Aber sie fahren für Russland, den Iran und ihre Kunden, nicht für Rotterdam. Ein Teil der Weltflotte steht dem westlichen Markt schlicht nicht zur Verfügung — in einem Jahr, in dem das Rote Meer noch immer ein Drittel unter dem normalen Verkehr liegt (Q49).

Säule 05

China, Indien, Russland

China ist der größte Ölimporteur der Welt, und China hat sich auf diesen Krieg vorbereitet. Ende 2025 lagen nach Schätzung der EIA rund 1,4 Milliarden Barrel in staatlicher Hand und bei den Staatskonzernen (Q57). Im Januar und Februar kaufte das Land 1,24 Millionen Barrel am Tag mehr, als es verbrauchte, im März 1,74 Millionen (Q53, Q54). Dann kam der Importeinbruch.

China füllt, dann leert, dann füllt es wieder

Millionen Barrel am Tag · Lageraufbau (+) oder -abbau (−)
Berechnet aus Importen, Förderung und Raffineriedurchsatz; Reuters-Kolumnist Clyde Russell führt diese Rechnung monatlich (Q53–Q56). Der Abbau im Mai und Juni ist eine Schätzung aus Branchenberichten (Q52).

Chinas Rohölimporte

Millionen Barrel am Tag
Der Septemberwert ist eine vorläufige Schiffszählung und zählt nur seewärtige Lieferungen; die Zollstatistik enthält auch Pipelineöl aus Russland und Kasachstan (Q51, Q52).

Was das für uns heißt: China hat einen Teil des Schocks weggesteckt, indem es seine Tanks angezapft hat, rund eine Million Barrel am Tag von Mai an (Q52). Das hat den Weltmarkt entlastet. Aber die seewärtigen Importe lagen Anfang September noch immer rund 40 Prozent unter dem Niveau vor dem Krieg (Q50), und sobald die Tanks wieder gefüllt werden, ist China nicht mehr Entlastung, sondern Konkurrenz. Im Juli hat es wieder angefangen (Q56). Ein Land, das 1,4 Milliarden Barrel hält, kauft nicht, wenn es teuer ist. Es kauft, wenn es billiger wird — und verhindert damit, dass es billig wird.

Indien hat seine Einkäufe umgestellt: 1,7 Millionen Barrel russisches Öl am Tag im September nach 2,1 im August (Q58), dafür wieder rund drei Millionen aus dem Golf (Q115). Das heißt: Die wenigen Barrel, die durch Hormus kommen, gehen nach Osten, nicht nach Westen. Saudi-Arabiens Preisnachlass für Asien aus Säule 03 ist die andere Seite derselben Münze.

Russland schließlich verkauft wieder mehr Rohöl, nach Bloombergs Schiffsdaten 3,71 Millionen Barrel am Tag seewärts im Vierwochenmittel bis Ende September, und seine Sorten erzielen Aufschläge statt Abschläge, weil Brent über 100 Dollar steht (Q59). Der Preisdeckel von 44,10 Dollar (Q63) ist in diesem Markt ein Zettel an einer Tür, durch die niemand mehr geht. Gleichzeitig hat die Ukraine die russischen Raffinerien so weit zerstört — ein Viertel nach westlichen Schätzungen, über die Hälfte nach ukrainischer Zählung (Q68, Q62) — dass Russland keinen Diesel mehr exportiert: Verbot für Hersteller bis zum 31. Oktober 2026, für Benzin bis zum 31. Januar 2027 (Q60, Q61). Das Rohöl kommt also auf den Markt. Der Diesel nicht. Merk dir das für die nächste Säule.

Säule 06

Diesel: Europas wunder Punkt

Hier liegt der Teil der Rechnung, den der Rohölpreis nicht erklärt. Eine Raffinerie verdient an der Differenz zwischen dem Produkt und dem Rohöl, dem „Crack“. Für Diesel in Europa lag dieser Aufschlag im November 2025 bei rund 46 Dollar je Barrel. Am 17. August 2026 erreichte er laut Branchendienst 102,2 Dollar, den ersten dreistelligen Wert, der je notiert wurde, und blieb im September über 100 (Q64, Q65). Auf den Liter sind das rund 56 Cent — nicht für das Öl, sondern für das Dieselmachen. Deshalb ist Diesel in Deutschland teurer als Benzin, obwohl er niedriger besteuert ist, und deshalb konnte der ADAC den September nicht mit dem Rohölpreis erklären.

Der Grund ist Arithmetik. Die Golfraffinerien, zu Jahresbeginn Europas größter Diesellieferant (Q111), liegen hinter der Meerenge. Russland exportiert keinen Diesel. China hat seine Produktexporte für Oktober weitgehend ausgesetzt. Die USA, die im August rund die Hälfte der seewärtigen Dieselimporte Europas lieferten, haben mit einem Exportverbot gedroht, falls Europa nicht seine eigenen Reserven anzapft (Q69, Q70). Am 2. Oktober haben die G7 die Freigabe von 100 Millionen Barrel Diesel beschlossen, und die EU-Staaten beraten über einen drohenden Engpass (Q68, Q69). Das sind Sätze, die ich in einem Jahr, für das die IEA noch im Winter einen Überschuss vorhergesagt hatte (Q114), nicht erwartet hätte.

Dieselcrack Europa102 $je Barrel über Brent, Rekord vom 17. August; November 2025: 46 $ (Q64, Q65)
Gasoil-Future1.501 $/tICE, Oktober-Kontrakt, Anfang Oktober — rund 113 Cent je Liter (Q66)
Produktlager ARAZwölfjahrestiefAmsterdam, Rotterdam, Antwerpen, Insights Global (Q67)
Kerosin Europa208 $je Barrel, Woche bis 18. September; weltweit 195 $ (Q72)

Dazu kommt, was Europa selbst stillgelegt hat: 2025 über 400.000 Barrel am Tag Raffineriekapazität — Grangemouth in Schottland, Shell in Wesseling bei Köln, Teile von bp in Gelsenkirchen, Lindsey in England (Q71). Diese Anlagen fehlen jetzt. Die IEA rechnet für 2026 weltweit mit 2,6 Millionen Barrel am Tag weniger Raffineriedurchsatz (Q20) — und der Nachfragerückgang, den sie meldet, findet genau bei den Mitteldestillaten statt: Diesel, Kerosin, Heizöl. Das ist das Öl, das Lkw, Traktoren, Flugzeuge, Baumaschinen und ältere Heizungen brauchen. Benzin ist das Öl der Pendler. Diesel ist das Öl der Wirtschaft.

Jetzt kommt der Winter. Heizöl ist chemisch Diesel. Die Gasspeicher sind zu 59,1 Prozent gefüllt, 27,5 Prozentpunkte unter dem Fünfjahresmittel, in Bayern zu 32,7 Prozent (Q93); Katars LNG liegt seit März hinter derselben Meerenge, und rund 17 Prozent seiner Kapazität fallen nach dem Angriff auf Ras Laffan für Jahre aus (Q95, Q96). Der Gaspreis TTF lag im September im Mittel bei 76,48 Euro je Megawattstunde (Q97). In einem kalten Winter konkurrieren Heizöl und Diesel um dieselben Moleküle — und das Gas, das aushelfen könnte, liegt hinter derselben Meerenge. Das ist der Moment, in dem ich die Drei erwarte: zuerst beim Diesel, dann beim Benzin.

Säule 07

Der Kassenbon: was in einem Liter steckt

Die Kasse druckt einen Betrag. Sie druckt nicht, woraus er besteht. Ich habe es nachgetragen, mit der Preisformel der Branche: Rohöl in Dollar je Barrel, dazu der Aufschlag für Raffinerie und Fracht, geteilt durch 158,99 Liter je Barrel und den Euro-Kurs; darauf der Deckungsbeitrag für Transport, Lager und Vertrieb, die Energiesteuer (65,45 Cent beim Benzin, 47,04 Cent beim Diesel, seit 2003 unverändert, Q74), der CO₂-Preis (55 Euro je Tonne am unteren Rand des Korridors, Q73), und auf alles 19 Prozent Mehrwertsteuer — auch auf die Steuern.

Der erste Bon ist der 4. Oktober: physischer Brent zum Septembermittel, Dieselaufschlag 100 Dollar, Euro-Kurs vom 5. Oktober, Energiesteuer mit Rabatt. Das Modell landet bei 2,26 Euro, der ADAC hat 2,253 gemessen. Der zweite Bon ist das Szenario, in dem die Drei steht.

Tankquittung
1,000 l Diesel · 4. Oktober 2026 Brent 114 $ · 1,12 $/€ · Aufschlag +100 $
Rohöl (Brent)Weltmarkt, in Euro je Liter0,64
Raffinerie und FrachtAufschlag ab Rotterdam0,56
Transport, Lager, VertriebDeckungsbeitrag der Kette0,22
Energiesteuerfester Betrag je Liter0,33
CO₂-Preisnationaler Emissionshandel0,15

Netto1,90
Mehrwertsteuer 19 %auch auf die Steuern0,36

Summe EUR2,26
Staat (Energiesteuer, CO₂, MwSt)37 %
Markt (Produkt, Vertrieb)63 %
Energiesteuer mit Tankrabatt, −14,04 ct. ADAC-Tagesmittel: 2,253 €
Tankquittung
1,000 l Diesel · Winter ohne Hormus Brent 155 $ · 1,10 $/€ · Aufschlag +140 $
Rohöl (Brent)Weltmarkt, in Euro je Liter0,88
Raffinerie und FrachtAufschlag ab Rotterdam0,80
Transport, Lager, VertriebDeckungsbeitrag der Kette0,22
Energiesteuerfester Betrag je Liter0,47
CO₂-Preisnationaler Emissionshandel0,15

Netto2,52
Mehrwertsteuer 19 %auch auf die Steuern0,48

Summe EUR3,00
Staat (Energiesteuer, CO₂, MwSt)36 %
Markt (Produkt, Vertrieb)64 %
Energiesteuer regulär (der Rabatt endet am 31.12.). Mit Rabatt: 2,84 €

Das Szenario auf dem zweiten Bon ist keine Prognose, es ist ein Preisschild: Brent auf 155 Dollar, das ist das Niveau der Aprilspitze plus 17; ein Dieselaufschlag von 140 Dollar, das ist gut ein Drittel mehr als der reine Raffinerierekord vom August, wobei der Aufschlag hier auch die Fracht enthält; ein Euro bei 1,10, das ist der Trend der letzten vier Wochen fortgeschrieben. Nichts davon ist aus der Luft gegriffen, jedes dieser drei Dinge war in diesem Jahr schon in Sichtweite. Zusammen ergeben sie 3,00 Euro — mit regulärer Energiesteuer, also ab dem 1. Januar. Mit dem Rabatt wären es 2,84 Euro; die Drei noch vor Jahresende, mit Rabatt, bräuchte im selben Szenario Brent bei rund 179 Dollar. Der Rabatt verschiebt die Drei also um 25 Dollar Brent nach hinten. Von August auf September ist Brent um 23 Dollar gestiegen.

Woraus ein Liter besteht

Anteile am Endpreis · Modell
Beim Diesel von 2026 ist der Staat schon heute nicht mehr die Hälfte. In einem Liter für drei Euro gehören 56 % dem Weltmarkt. Eine Steuersenkung kann nur den Rest anfassen.

Drei Faustregeln aus dieser Formel. Erstens: Zehn Dollar mehr beim Brent sind 6,7 Cent je Liter an der Zapfsäule, bei einem Euro von 1,12 und mit Mehrwertsteuer. Zweitens: Bei den Aufschlägen und dem Kurs von heute braucht Diesel für 3,00 Euro einen Brent-Preis von rund 200 Dollar mit regulärer Steuer, 225 Dollar mit Rabatt; E10 braucht rund 222 Dollar. Drittens, und das ist der Punkt: Brent muss dafür gar nicht so hoch. Die Drei kommt genauso, wenn das Rohöl unter 150 bleibt und der Dieselaufschlag weiter steigt. Nach allem, was in Säule 06 steht, ist das der wahrscheinlichere Weg.

Rechne selbst. Die Regler sind die Formel, die Bons das Ergebnis.

Modellrechnung — was muss passieren, damit auf der Tafel eine 3 steht?

114 $/bbl
1,12 $/€
+100 $/bbl
+50 $/bbl
22,0 ct/l
55 €/t
Brent für 3,00 € Diesel225 $je Barrel, bei den eingestellten Aufschlägen, Kurs und Steuer
Brent für 3,00 € E10247 $je Barrel
Was der Rabatt wert ist25 $je Barrel Brent entsprechen den 14,04 ct des Tankrabatts 2026 — der Rabatt von 2022 war beim Benzin 53 $ wert
Tankquittung
1,000 l Super E10 Brent 114 $ · 1,12 $/€ · Aufschlag +50 $
Rohöl (Brent)Weltmarkt, in Euro je Liter0,65
Raffinerie und FrachtAufschlag ab Rotterdam0,28
Transport, Lager, VertriebDeckungsbeitrag der Kette0,22
Energiesteuerfester Betrag je Liter0,51
CO₂-Preisnationaler Emissionshandel0,12

Netto1,78
Mehrwertsteuer 19 %auch auf die Steuern0,34

Summe EUR2,11
Staat (Energiesteuer, CO₂, MwSt)46 %
Markt (Produkt, Vertrieb)54 %
Tankrabatt Oktober bis Dezember 2026.
Tankquittung
1,000 l Diesel Brent 114 $ · 1,12 $/€ · Aufschlag +100 $
Rohöl (Brent)Weltmarkt, in Euro je Liter0,64
Raffinerie und FrachtAufschlag ab Rotterdam0,56
Transport, Lager, VertriebDeckungsbeitrag der Kette0,22
Energiesteuerfester Betrag je Liter0,33
CO₂-Preisnationaler Emissionshandel0,15

Netto1,90
Mehrwertsteuer 19 %auch auf die Steuern0,36

Summe EUR2,26
Staat (Energiesteuer, CO₂, MwSt)37 %
Markt (Produkt, Vertrieb)63 %
Tankrabatt Oktober bis Dezember 2026.

Rohöl und Aufschlag in Dollar je Barrel, geteilt durch 158,99 Liter je Barrel und den Euro-Kurs. Darauf Deckungsbeitrag, Energiesteuer und CO₂-Preis, auf die Summe 19 % Mehrwertsteuer. Der Aufschlag bündelt Raffineriemarge und Fracht nach Rotterdam; die Voreinstellung „Anfang Oktober 2026“ nimmt den physischen Brent zum Septembermittel, den Dieselaufschlag vom September und den Euro-Kurs vom 5. Oktober (Q9, Q12, Q64). Eine Modellrechnung, keine Prognose.

Säule 08

Der Tankrabatt: 25 Dollar

Jetzt zur Debatte, die seit Wochen alle anderen überdeckt. Die Fakten zuerst, dann meine Meinung.

Tankrabatt 2026, erste Runde

  • Mai und Juni 2026, beschlossen vom Bundestag Ende April (Q77)
  • Rund 17 Cent je Liter brutto, Kosten rund 1,6 Milliarden Euro (Q78)
  • ifo-Auswertung: beim E10 kamen rund 16 Cent an, beim Diesel rund 12 Cent, also 73 Prozent (Q79)

Tankrabatt 2026, zweite Runde

  • 1. Oktober bis 31. Dezember 2026; Energiesteuer −14,04 Cent, bis zu 16,7 Cent brutto (Q8, Q75)
  • Kosten rund 2,5 Milliarden Euro, von Bund und Ländern; dazu ein Spritpreisdeckel im Beschlusspapier (Q7)
  • Bundestag: 434 Ja, 128 Nein bei 562 abgegebenen Stimmen (Q76)
  • 4. Oktober: Sprit teurer als am 1. Oktober (Q2)

Und 2022, zur Erinnerung: 1. Juni bis 31. August 2022, 35,2 Cent beim Benzin und 16,7 Cent beim Diesel, 3,15 Milliarden Euro (Q80). Das ifo-Institut fand damals in den ersten Wochen eine Weitergabe von 85 bis 100 Prozent (Q80); am 1. September 2022 sprang der Preis zurück. Das Bundeskartellamt hatte schon im April 2022 eine Untersuchung von Raffinerien und Großhandel begonnen; 2025 stellte es fest, dass der Wettbewerb durch Abhängigkeiten und hohe Markttransparenz eingeschränkt ist, und empfahl, die Preisnotierungen gesetzlich zu regulieren (Q81). Passiert ist seither: ein dritter Tankrabatt.

Beim Benzin ist der Rabatt von 2026 nicht einmal ein halber von 2022: Damals waren es 29,55 Cent; 14,04 Cent sind exakt der Dieselsatz von damals. In Dollar je Barrel gerechnet, bei heutigem Kurs: Der Rabatt 2026 ist 25 Dollar wert, der Benzinrabatt von 2022 war 53 Dollar wert. Von August auf September ist das Monatsmittel von Brent um 23 Dollar gestiegen (Q9). Das ist der Maßstab, an dem man diese Politik messen muss: Sie kauft für 2,5 Milliarden Euro den Gegenwert eines Monats.

Warum ich den Rabatt für kurzsichtig halte

  1. Er verschiebt die Drei um 25 Dollar

    25 Dollar je Barrel, siehe oben. Der Preis lag diesmal nach vier Tagen wieder über dem ersten Rabatttag — nicht, weil die Tankstellen böse sind, sondern weil Diesel in Europa knapp ist und der Knappheitspreis nicht verhandelbar ist. Eine Steuer, die man senkt, ist Spielraum, den der Markt sofort belegt.

  2. Er subventioniert, was wir rationieren müssten

    Die IEA meldet 2,5 Millionen Barrel am Tag weniger Nachfrage, weil Preise wirken. Wer den Preis künstlich senkt, hält die Nachfrage in einem Markt hoch, in dem Angebot fehlt. Das ist die Logik der autofreien Sonntage von 1973, nur umgedreht (Q107): Damals hat man Nachfrage gedrosselt, heute bezahlt man sie.

  3. Er geht an den Falschen

    Er entlastet je Liter, also am meisten den, der am meisten fährt, und gar nicht den, der kein Auto hat und trotzdem die teureren Lebensmittel bezahlt. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm nennt das „zynisch“, andere Ökonomen „teuer, sozial ungerecht und ökonomisch kontraproduktiv“ (Q84, Q82). Sie haben recht. Und ein Viertel des Dieselrabatts kam schon im Frühjahr gar nicht erst an (Q79).

  4. Er läuft am 31. Dezember aus — mitten im Winter

    Dann kommen 16,7 Cent auf einen Schlag zurück, zum Zeitpunkt der höchsten Heizöl- und Dieselnachfrage. 2022 war der 1. September die Lehrstunde. 2027 wird es der 1. Januar. Der angekündigte Preisdeckel (Q7) ist das Eingeständnis, dass die Regierung das weiß.

  5. Er behandelt ein Mengenproblem wie ein Preisproblem

    Was fehlt, ist Öl, und vor allem Diesel. Keine Steuer der Welt bringt ein Barrel durch die Straße von Hormus. Das Geld, 2,5 Milliarden in drei Monaten, wäre in Reserven, Lagerkapazität, Bahn- und Pipelinekapazität als Ersatz für den Rhein und in gezielten Hilfen für die, die Diesel wirklich brauchen, besser angelegt. Säule 11 sagt, wie.

Säule 09

Der Durchschlag: in jeder Rechnung

Die Zapfsäule ist nur der Ort, an dem man den Preis sieht. Öl steckt in fast jeder anderen Rechnung, nur ohne Preistafel. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, wie weit der Schock schon gekommen ist — und was noch unterwegs ist.

Inflation September3,3 %Schnellschätzung; Energie +14,9 %, Kernrate 2,4 % (Q85)
Kraftstoffe, August+27,7 %Heizöl +49,6 %; ohne beides läge die Rate bei 2,0 % (Q86)
Erzeugerpreise, August+4,6 %höchster Wert seit April 2023; Rohbenzin +44,4 %, Konsumgüter noch −2,0 % (Q87)
Eurozone, EZB3,8 %Energie +18,8 %; die EZB hat am 10. September auf 2,50 % erhöht (Q88, Q89)

Die vier Kacheln sind eine Kette, nur in umgekehrter Reihenfolge. Die Erzeugerpreise steigen mit 4,6 Prozent gut anderthalbmal so schnell wie die Verbraucherpreise, und innerhalb der Erzeugerpreise steigen die Vorleistungen, das Material also, aus dem andere Dinge gemacht werden, um 6,1 Prozent, während Konsumgüter ab Werk noch billiger werden (Q87). Das heißt: Die Teuerung sitzt in der Kette und ist beim Kunden noch nicht angekommen. Sie kommt. 2022 hat es von der Energie bis zur Kernrate rund ein Jahr gedauert.

Wo das Öl in der Rechnung steckt
KanalBefund 2026Was dahinter liegt
Chemie, Kunststoff, VerpackungRohbenzin +44,4 % (Q87)Naphtha ist der Rohstoff der Petrochemie; jede Folie, jedes Gehäuse, jeder Lack beginnt dort.
Logistik, Lkw, BusKraftstoffe +37,7 % ab Werk, +27,7 % im Laden (Q86, Q87)Dieselzuschläge in Frachtverträgen greifen erst nach Wochen; der Handel reicht sie in Lebensmittel- und Baustoffpreise weiter.
HeizenHeizöl +49,6 % im Jahresvergleich, 163,55 ct je Liter am 5. Oktober (Q86, Q98)Heizöl ist Diesel; mit dem Winter konkurriert es um dieselben Raffinerien. Gas: TTF im September 76 €/MWh, Speicher 59 % (Q93, Q97).
Landwirtschaft, LebensmittelDiesel, Dünger, Transport, FolieDünger wird aus Gas gemacht, Traktoren fahren Diesel, Ware fährt per Lkw. Lebensmittel sind die Rechnung, die jeder bezahlt, auch ohne Auto.
LuftfahrtKerosin Europa 208 $ je Barrel (Q72)Kerosin ist ein Mitteldestillat wie Diesel; die Fluglinien geben es als Zuschlag weiter, oder sie streichen Strecken.
BauBitumen, Baumaschinen, TransportBitumen ist der Bodensatz der Raffinerie, Asphalt also ein Ölprodukt; Baumaschinen fahren Diesel. Straßenbau und Dachdecker merken es als Erste.
BinnenschifffahrtRhein bei Kaub 9 cm am 4. Oktober, Rekordtief im August (Q103, Q104)Kleinwasserzuschläge für Container und Mineralöl; Pipelines und Bahn sind nahezu ausgelastet, also kein Ausweichen.

Wie groß wird es? Das Institut der deutschen Wirtschaft hat es durchgerechnet: Ein Ölpreis von dauerhaft 100 Dollar hebt die Verbraucherpreise um 0,8 Prozent in diesem und 1,0 Prozent im nächsten Jahr über den Pfad ohne Schock. Bei 150 Dollar sind es 1,6 und 1,9 Prozent; die Wirtschaftsleistung sinkt um 0,5 und 1,3 Prozent, bis zu 80 Milliarden Euro in zwei Jahren (Q91). Die Bundesbank erwartet die Inflation 2026 und 2027 nahe drei Prozent und unter zwei erst 2028 (Q90). Die Gemeinschaftsdiagnose vom April hatte 2,8 Prozent für dieses Jahr erwartet (Q92); der September liegt mit 3,3 Prozent darüber.

Das ist die eigentliche Rechnung hinter der Tankrabatt-Debatte. Die 17 Cent an der Zapfsäule sind der sichtbare Teil. Der unsichtbare ist, dass jedes Unternehmen in diesem Land gerade seine Kalkulation neu macht: Spediteure, Bäcker, Dachdecker, Kunststoffverarbeiter, Fluglinien, Landwirte. Und ich auch. Wer heute ein Angebot abgibt, das länger als einen Monat gilt, ohne Energiekostenklausel, hat die Zahlen in diesem Text nicht gelesen.

Noch ein Wort zur Versorgung. Deutschland bezieht nur 6,1 Prozent seines Rohöls direkt aus dem Nahen Osten, am meisten aus Norwegen, den USA und Libyen (Q99). Das schützt vor leeren Tanks, nicht vor dem Preis: Der wird in Rotterdam gemacht, und Rotterdam kauft auf dem Weltmarkt. Die Reserve reicht für rund 90 Tage (Q102). Bayern hängt zu 100 Prozent an der Transalpinen Pipeline aus Triest, über die seit 2025 auch Tschechien vollständig versorgt wird (Q105). Die Regierung schreibt, es gebe „keine Energieversorgungskrise“, die Rationierung sei „grundsätzlich unwahrscheinlich“ (Q102); Wirtschaftsministerin Katherina Reiche schließt Engpässe nicht völlig aus (Q113), die Branche hält sie im schlimmsten Fall für möglich (Q106). Ich lese das als: Die Menge ist da, solange der Preis sie holt. Genau das ist meine These.

Säule 10

Die Gegenrede

Die Argumente gegen die Drei, weil sie gut sind

Erstens die Prognosen. EIA, Goldman Sachs und andere Banken sehen Brent fallen: 90 Dollar im zweiten Halbjahr, 85 im Dezember, 74 im Mittel 2027, 67 im zweiten Halbjahr 2027 (Q15, Q17). Die IEA erwartet 2027 ein Angebot, das um acht Millionen Barrel am Tag wächst, dreimal so stark wie die Nachfrage (Q20) — vor dem Krieg hatte sie für 2026 einen großen Überschuss vorhergesagt (Q114), und dieser Überschuss kommt zurück, sobald die Meerenge offen ist. Es gibt seit dem 28. September wieder Gespräche, es gibt eine Route über Oman, es fließen wieder rund zehn Millionen Barrel am Tag (Q34, Q35, Q36). Im Juni 2025 hat ein Zwölf-Tage-Krieg den Ölpreis um 13 Prozent steigen und in neun Handelstagen wieder fallen lassen (Q9). Märkte vergessen schnell.

Zweitens die Nachfrage. Sie fällt um 2,5 Millionen Barrel am Tag, so viel wie seit der Pandemie nicht. Hohe Preise sind ihre eigene Medizin; und je höher sie steigen, desto näher ist die Rezession, die sie wieder drückt. Zehn von elf Nachkriegsrezessionen in den USA ging ein Ölpreisanstieg voraus (Q110).

Drittens der Staat. Der Rabatt verschiebt die Schwelle um 25 Dollar, ein Preisdeckel ist angekündigt (Q7), und ein Kartellamt, das 2025 Regulierung empfohlen hat, kann 2026 handeln (Q81). Eine 3,00 auf der Tafel ist auch eine politische Zahl, und Regierungen tun viel, um eine politische Zahl nicht sehen zu müssen.

Ich halte dagegen: Die Prognosen setzen voraus, dass die Meerenge aufgeht, und die 90 Dollar der EIA für das zweite Halbjahr hat schon das dritte Quartal verfehlt — der physische Preis lag im Mittel bei 96 (Q9). Die Gespräche hängen an der Reihenfolge von Sanktionen und Öffnung (Q36), und die Waffenruhe vom April hat drei Monate gehalten. Die Nachfrage reagiert kurzfristig kaum, die Preiselastizität liegt bei −0,09 (Q109), und Diesel lässt sich nicht nach Belieben durch Benzin ersetzen. Und ein Preisdeckel senkt keinen Weltmarktpreis, er versteckt ihn — in der Staatskasse, oder in leeren Zapfsäulen. Wenn die Meerenge bis Weihnachten offen ist, hatte ich unrecht, und ich schreibe das dann hier auf. Wenn nicht, steht die Drei auf der Tafel, bevor der Rabatt ausläuft — und im Januar erst recht.

Säule 11

Was ich vorschlage

  1. Den Rabatt auslaufen lassen und das Geld gezielt ausgeben

    2,5 Milliarden in drei Monaten reichen für eine Direktzahlung an Haushalte, für die Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer, für einen Dieselzuschuss an Speditionen und Landwirte, der an die beförderte Tonne gebunden ist, nicht an den Liter (Q83). Das erreicht die, die es brauchen, und lässt das Preissignal stehen.

  2. Einen Dieselplan für den Winter

    Nicht das Rohöl ist Europas Problem, sondern das Mitteldestillat. Die Reserve gezielt als Diesel und Heizöl freigeben, statt als Rohöl; Bahn- und Pipelinekapazität für den Rhein-Ersatz jetzt buchen, nicht im Januar; und ehrlich sagen, dass Heizöl und Diesel in einem kalten Winter um dieselben Moleküle konkurrieren.

  3. Die Empfehlungen des Kartellamts umsetzen

    Der Abschlussbericht liegt seit Februar 2025 vor (Q81). Preisnotierungen regulieren, Markttransparenz in beide Richtungen, Raffineriemargen offenlegen. Das ist billiger als jeder Rabatt und wirkt länger als drei Monate.

  4. Im eigenen Betrieb: die Kalkulation anfassen

    Energiekostenklauseln in jedes Angebot, das länger als einen Monat gilt. Fahrten bündeln, Touren planen, den nächsten Transporter elektrisch bestellen. Nicht aus Idealismus, sondern weil Strom in Deutschland nicht hinter einer Meerenge liegt. Das gilt für mich genauso wie für jeden Handwerksbetrieb in München.

  5. Weniger Öl je Euro Wertschöpfung

    Das ist die einzige Antwort, die beim nächsten Krieg noch gilt. 1973 hat Deutschland darauf mit Tempolimit und autofreien Sonntagen reagiert (Q107); heute heißt die Antwort Bahn, Elektroantrieb, Wärmepumpe und Effizienz. Jede Tonne weniger ist eine Tonne, die keine Preistafel hat.

Säule 12

Quellen und Anmerkungen

Alle Zahlen stammen aus den unten genannten Veröffentlichungen, abgerufen am 5. Oktober 2026. Marktpreise sind Momentaufnahmen; zu jedem steht der Tag, auf den er sich bezieht. Umrechnungen und Faustregeln habe ich selbst gerechnet und im Text als solche gekennzeichnet.

  1. ADAC: Benzin und Diesel erreichen im September Höchstwert — Entwicklung nicht allein durch Rohölpreis erklärbar. Pressemitteilung, Anfang Oktober 2026. presseportal.deMonatsmittel September 2026: E10 2,266 €, Diesel 2,386 €; teuerste Tage 16. September (E10 2,314 €) und 17. September (Diesel 2,471 €).
  2. dpa: Sprit teurer als zu Beginn des Tankrabatts. 5. Oktober 2026. ariva.deADAC-Tagesmittel 4. Oktober 2026: E10 2,137 €, Diesel 2,253 €.
  3. ADAC: Benzin und Diesel etwas günstiger, ADAC erwartet deutlichen Preisrückgang ab Oktober. Ende September 2026. rechtundpolitik.comEnde September: E10 2,258 €, Diesel 2,409 €; erwartete Entlastung 16,7 ct.
  4. ADAC: März teuerster Tank-Monat aller Zeiten. Pressemitteilung, April 2022. presse.adac.deTagesrekorde Diesel 2,321 € (10. März 2022) und E10 2,203 € (14. März 2022); Märzmittel 2,140 € und 2,069 €.
  5. ADAC: Spritpreis 2012 auf Rekordniveau. autogazette.deE10 1,709 € am 13. September 2012, Diesel 1,554 € im August 2012; Jahresmittel 2012 1,598 € und 1,478 €.
  6. ADAC: 5. Juli 2008 teuerster Kraftstoff aller Zeiten. osthessen-news.deSuper 1,585 € am 5. Juli 2008.
  7. Tagesspiegel: Regierung einigt sich auf Tankrabatt und Spritpreisdeckel, das steht im Beschlusspapier. September 2026. tagesspiegel.dePaket über 2,5 Mrd. €, effektiv 17 ct je Liter bis Jahresende, dazu ein Spritpreisdeckel.
  8. WirtschaftsWoche: Neuer Tankrabatt 2026 — ab wann Sprit billiger wird und was gilt. wiwo.deEnergiesteuer sinkt um 14,04 ct je Liter, bis zu 16,7 ct brutto, drei Monate ab 1. Oktober 2026.
  9. U.S. Energy Information Administration: Europe Brent Spot Price FOB, Tageswerte (Datensatz RBRTE), gelesen über den öffentlichen Spiegel datasets/oil-prices, Stand 29. September 2026. eia.gov2026: 61,98 $ am 2. Januar, Spitze 138,21 $ am 7. April, Monatsmittel Januar bis September, 113,96 $ am 29. September; 2022: 133,18 $ am 8. März; 2008: 143,95 $ am 3. Juli.
  10. Federal Reserve, H.10 Foreign Exchange Rates (USD je EUR), gelesen über den öffentlichen Spiegel datasets/exchange-rates. github.com/datasetsMonatsmittel 2026: Januar 1,174, September 1,153; 7. April 2026 1,157; 8. März 2022 1,088; 3. Juli 2008 1,571.
  11. Trading Economics: Brent Crude Oil, 5. Oktober 2026. tradingeconomics.com101,31 $ je Barrel, +54,7 % gegenüber dem Vorjahr.
  12. Trading Economics: Euro US Dollar Exchange Rate, 5. Oktober 2026. tradingeconomics.com1,1204 $ je Euro, −3,6 % in einem Monat.
  13. boerse.de: Brent-Rohölpreis in Euro, 2. Oktober 2026. boerse.de102,87 $ = 91,64 € je Barrel.
  14. fxnx: Why Brent’s 6-month spread topped 20 USD in 2026. September 2026. fxnx.comPhysischer Brent Mitte September über 135 $; Sechsmonats-Spread über 20 $; Frontspread über 7 $ nach unter 1 $ Ende August.
  15. U.S. Energy Information Administration: Short-Term Energy Outlook, September 2026. eia.govBrent rund 90 $ im zweiten Halbjahr 2026, 74 $ im Mittel 2027, 67 $ im zweiten Halbjahr 2027; Weltlager −400 Mio. Barrel seit Jahresbeginn; Verbrauch 2026 102,59 gegen Produktion 100,62 mb/d.
  16. EnergyNow: Goldman Sachs maintains Brent forecast of 80 USD for fourth quarter of 2026. Juli 2026. energynow.comBasisfall 80 $ im 4. Quartal; über 120 $, falls Hormus gestört bleibt; Überschuss 2027 von 3,2 mb/d.
  17. LWS Financial Research auf X: Goldman Sachs raises oil price outlook. 8. September 2026. x.comBrent 85 $ im Dezember 2026, 80 $ im Mittel 2027.
  18. investinglive: Goldman Sachs raises 2026 oil forecast, sees Brent at 60 USD by Q4. 23. Februar 2026. investinglive.comFünf Tage vor Kriegsbeginn: 60 $ für das vierte Quartal erwartet.
  19. MUFG Americas: Largest oil price shock in history could have been worse. Chart of the Day, 17. Juni 2026. mufgamericas.comEinordnung des Schocks 2026 als größten Ölpreisschock der Geschichte.
  20. International Energy Agency: Oil Market Report, September 2026. iea.orgÜber 10 mb/d Golfförderung stillgelegt; Weltangebot im August 100,1 mb/d (−1,6); 2026 −5,7 mb/d auf 100,7; Nachfrage 2026 −2,5 mb/d, 2027 +2,6; Angebot 2027 +8; Lager −95 Mio. Barrel im August, −507 Mio. seit Februar (2,8 mb/d); Raffineriedurchsatz −2,6 mb/d.
  21. International Energy Agency: Oil Market Report, 13. Mai 2026 (öffentliche Fassung). iea.orgWeltangebot im April 95,1 mb/d, 12,8 mb/d unter Februar; Golfförderung 14,4 mb/d unter Vorkriegsniveau; Lager an Land −170 Mio. Barrel im April.
  22. International Energy Agency: IEA member countries to carry out largest ever oil stock release. 11. März 2026. iea.org400 Mio. Barrel, sechste kollektive Aktion der IEA-Geschichte.
  23. International Energy Agency: Update on IEA collective action decision of 11 March 2026. Oktober 2026. iea.orgRund 325 der 400 Mio. Barrel bis Anfang Oktober freigegeben.
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  26. UPI: OPEC+ to keep November oil production target level. 4. Oktober 2026. upi.comDie sieben Kernmitglieder förderten im August rund 25 mb/d, rund 5 mb/d unter Februar.
  27. The National: OPEC+ keeps oil output targets unchanged for November. 4. Oktober 2026. thenationalnews.comSieben Kernmitglieder entscheiden; die Emirate sind laut Bericht seit Mai 2026 nicht mehr Teil der OPEC.
  28. Reuters: Saudi Arabia cuts Arab Light crude oil OSP for Asia for November. 4. Oktober 2026. tradingview.comArab Light für Asien 5 $ unter Oman/Dubai, tiefster Abschlag seit Juni 2020.
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  40. BigGo Finance: VLCC daily rates smash 1.2 million USD, up tenfold in six months. 17. September 2026. finance.biggo.com1.212.500 $ je Tag; Verzehnfachung seit März.
  41. Lloyd’s List: Crude tanker rates in uncharted territory; VLCC index tops 420K. 2026. lloydslist.comVLCC-Index über 420.000 $ je Tag, Frühjahr 2026.
  42. OilPrice.com: Gulf-to-China supertanker rates hit 510,000 USD a day. 2026. oilprice.com510.000 $ je Tag vor den Septemberrekorden.
  43. Caixin Global: War risk insurance returns to Strait of Hormuz, at a price. 7. März 2026. caixinglobal.com0,25 % des Schiffswerts vor dem Krieg; 1 % je sieben Tage ab März.
  44. S&P Global: Middle East shipping insurance costs rise on Hormuz risks, Marsh. 22. Juli 2026. spglobal.com3,5 bis 7,5 % des Schiffswerts je Passage, vorher 0,10 bis 0,25 %.
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  46. straits.live: Strait of Hormuz Status, 2. Oktober 2026. straits.liveKuwaitischer VLCC am 1. Oktober von einem Projektil getroffen, Brand, Besatzung evakuiert.
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  68. Semafor: EU faces diesel shortage as major refiners ban exports. 2. Oktober 2026. semafor.comRussland exportiert keinen Diesel bis zur Aufhebung der Sanktionen; chinesische Raffinerien setzen Exporte im Oktober aus; EU-Staaten beraten über Engpass; rund ein Viertel der russischen Raffineriekapazität zerstört.
  69. France 24: G7 members will release 100 million barrels of diesel after US threatened export ban. 2. Oktober 2026. france24.com100 Mio. Barrel Diesel aus Reserven.
  70. CNBC: G7 nations to release diesel stocks as wars in Europe and Middle East squeeze supply. 2. Oktober 2026. cnbc.comUSA liefern rund die Hälfte der seewärtigen Dieselimporte Europas (August).
  71. Hydrocarbon Engineering: A reset for Europe’s refineries. 29. Dezember 2025. hydrocarbonengineering.comÜber 400.000 b/d europäischer Raffineriekapazität 2025 geschlossen: Grangemouth, Shell Wesseling, Teile von bp Gelsenkirchen, Prax Lindsey.
  72. Leeham News (IATA Jet Fuel Price Monitor): Soaring fuel prices dim end-of-year outlook for major U.S. airlines. 28. September 2026. leehamnews.comKerosin Europa 207,56 $ je Barrel in der Woche bis 18. September, weltweit 194,65 $.
  73. Finanztip: CO₂-Steuer — CO₂-Preis 2026 fürs Heizen und Tanken. finanztip.deKorridor 55 bis 65 € je Tonne 2026; Benzin 15,5 bis 18,3 ct, Diesel 17,5 bis 20,6 ct je Liter brutto.
  74. Energiesteuergesetz, § 2 Steuertarif. gesetze-im-internet.de654,50 € je 1.000 l Benzin, 470,40 € je 1.000 l Diesel.
  75. Bundesregierung: Tax cut on diesel and petrol. Oktober 2026. bundesregierung.deEnergiesteuer −14 ct, rund 17 ct brutto, bis 31. Dezember 2026.
  76. Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt Tankrabatt. Textarchiv, Sitzungswoche 39/2026. bundestag.de434 Ja, 128 Nein bei 562 abgegebenen Stimmen.
  77. Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt Tankrabatt und freiwillige Entlastungsprämie. Textarchiv, Sitzungswoche 17/2026. bundestag.deErster Tankrabatt 2026, beschlossen Ende April.
  78. ZDFheute: 17 Cent weniger pro Liter — warum der Tankrabatt trotzdem umstritten ist. Oktober 2026. zdfheute.deErste Phase Mai und Juni 2026, rund 17 ct, rund 1,6 Mrd. €; zweite Phase Oktober bis Dezember.
  79. Handelsblatt: Ifo-Studie — Tankrabatt bei Diesel wurde nur zu 73 Prozent weitergegeben. Sommer 2026. handelsblatt.comE10 rund 16 ct, Diesel rund 12 ct beim Verbraucher angekommen.
  80. ifo Institut (nach wirtschaft-tv): Tankrabatt bis zu 100 Prozent an Verbraucher weitergegeben. 14. Juni 2022. wirtschaft-tv.com2022: 85 bis 100 % Weitergabe in den ersten Wochen; Rabatt 1. Juni bis 31. August 2022, 35,2 ct E10 und 16,7 ct Diesel brutto, rund 3,15 Mrd. €.
  81. Bundeskartellamt: Abschlussbericht der Sektoruntersuchung Raffinerien und Kraftstoffgroßhandel. 19. Februar 2025. bundeskartellamt.deWettbewerb durch Abhängigkeiten und hohe Markttransparenz eingeschränkt; Empfehlung, Preisnotierungen gesetzlich zu regulieren.
  82. dpa (onvista): Tankrabatt und Spritpreisdeckel fallen bei Ökonomen durch. 20. September 2026. onvista.de„Teuer, sozial ungerecht und ökonomisch kontraproduktiv“.
  83. heise: Ökonomen kritisieren Tankrabatt und Spritpreisdeckel, Experten fordern Direktzahlungen. 20. September 2026. heise.deAlternativen: Direktzahlungen, Einmalzahlung, Pendlerpauschale, gezielte Hilfen für Spediteure und Pendler.
  84. ecomento: Wirtschaftsweise kritisiert neuen Tankrabatt als „zynisch“. 21. September 2026. ecomento.deVeronika Grimm zur Subvention des Verbrenners auf Kosten der jungen Generation.
  85. Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im September 2026 voraussichtlich +3,3 %. Pressemitteilung 348, 30. September 2026. destatis.deEnergie +14,9 % (Juli +8,3 %, August +10,5 %); Kernrate +2,4 %.
  86. Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im August 2026 bei +2,9 %. Pressemitteilung 320. destatis.deKraftstoffe +27,7 %, Heizöl +49,6 %; ohne Heizöl und Kraftstoffe +2,0 %.
  87. Statistisches Bundesamt: Erzeugerpreise im August 2026: +4,6 % gegenüber August 2025. Pressemitteilung 328, 18. September 2026. destatis.deRohbenzin +44,4 %, leichtes Heizöl +65,3 %, Kraftstoffe +37,7 %, Vorleistungsgüter +6,1 %, Konsumgüter −2,0 %.
  88. Eurostat: Euro area annual inflation up to 3.8 %. Schnellschätzung, 2. Oktober 2026. ec.europa.euEnergie +18,8 %; höchster Wert seit September 2023.
  89. Europäische Zentralbank: Geldpolitische Beschlüsse. 10. September 2026. ecb.europa.euEinlagensatz von 2,25 auf 2,50 %.
  90. Deutsche Bundesbank: Deutschland-Prognose — Energiepreis-Schock bremst Konjunkturerholung. 2026. bundesbank.deInflation nahe 3 % in 2026 und 2027, unter 2 % erst 2028.
  91. Institut der deutschen Wirtschaft: Höhere Ölpreise könnten Deutschland bis zu 80 Milliarden Euro kosten. 2026. iwkoeln.de100 $: Verbraucherpreise +0,8 % (2026), +1,0 % (2027); 150 $: +1,6 % und +1,9 %, BIP −0,5 % und −1,3 %.
  92. ifo Institut: Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026 — Energiepreisschock dämpft Erholung. 1. April 2026. ifo.deInflation 2,8 % (2026) und 2,9 % (2027) erwartet.
  93. gasspeicherkarte.de: Gasspeicher-Füllstand Deutschland, 4. Oktober 2026. gasspeicherkarte.de59,1 % (146,1 von 247,4 TWh); 27,5 Punkte unter dem Mittel 2021–2025; Bayern 32,7 %.
  94. Bundesnetzagentur: Aktuelle Lage der Gasversorgung in Deutschland. Oktober 2026. bundesnetzagentur.deVersorgung gesichert, Risiko gering; LNG-Terminals zu rund 45 % ausgelastet; Ziel 30 % am 1. Februar 2027.
  95. The National: Qatar LNG won’t return to normal when Hormuz reopens, executives say. 14. September 2026. thenationalnews.comRund 17 % der Kapazität nach Angriff auf Ras Laffan für drei bis fünf Jahre außer Betrieb.
  96. Bloomberg: Qatar extends LNG force majeure as Hormuz disruptions drag on. 28. September 2026. bloomberg.comForce majeure bis November und Anfang Dezember verlängert.
  97. Cbonds: Natural gas TTF index, September 2026. cbonds.comSeptembermittel 76,48 € je MWh, Spitze 82,57 €.
  98. HeizOel24: Heizölpreise — Oktober zeigt sich gelassen. 5. Oktober 2026. heizoel24.de163,55 ct je Liter.
  99. Statistisches Bundesamt: 6,1 % der deutschen Rohöl-Importe 2025 aus dem Nahen Osten. März 2026. destatis.de75,7 Mio. t; Norwegen 16,6 %, USA 16,4 %, Libyen 13,8 %; Irak 4,2 %, Emirate 1,1 %, Saudi-Arabien 0,8 %.
  100. Bundesgesetzblatt: Sechste Verordnung über die Freigabe von Vorräten. 17. März 2026. recht.bund.de600.000 t aus der strategischen Reserve, 19. März bis 31. August 2026.
  101. dpa: Was bringt die Freigabe von Öl-Reserven? Oktober 2026. wirtschaftsticker.comDeutschlands Zusage an die IEA: 19,5 Mio. Barrel.
  102. Bundesregierung: Fragen und Antworten rund um die Energieversorgung. 2026. bundesregierung.deReserve für rund 90 Tage, rund 20 Mio. t; „keine Energieversorgungskrise“; Rationierung konzeptionell vorbereitet, „grundsätzlich unwahrscheinlich“.
  103. WetterOnline: Pegel Rhein. 4. Oktober 2026. wetteronline.deKaub 9 cm, fallend.
  104. agrarheute: Rhein-Pegel in Kaub auf Rekordtief — Niedrigwasser verteuert Agrar-Transport massiv. August 2026. agrarheute.comErster einstelliger Pegel der Messgeschichte, zeitweise unter null; Pipelines und Bahn nahezu ausgelastet.
  105. ORF Tirol: Strategische Bedeutung der TAL nimmt zu. 2026. tirol.orf.atTransalpine Pipeline versorgt Bayern und Baden-Württemberg vollständig, Österreich zu 90 % und seit dem Ende der Druschba-Lieferungen 2025 auch Tschechien; Kapazität auf 7.500 m³ je Stunde erhöht.
  106. t-online: Tankstellen droht Kraftstoff-Engpass. 2026. t-online.deen2x: derzeit keine Lieferengpässe; im schlimmsten Fall Knappheit möglich; Niedrigwasser erhöht das Risiko regionaler Engpässe.
  107. Friedrich-Ebert-Stiftung, FES History: Was hat uns die Ölpreiskrise von 1973 heute zu sagen? fes.deVier autofreie Sonntage im November und Dezember 1973, Tempo 100 auf Autobahnen.
  108. International Energy Agency: Oil Market Report, September 2019. iea.orgAbqaiq und Khurais: 5,7 mb/d, größter plötzlicher Ausfall bis dahin.
  109. Havranek, Irsova, Janda: Demand for gasoline is more price-inelastic than commonly thought. Energy Economics 34 (2012). meta-analysis.czPreiselastizität der Benzinnachfrage nach Korrektur um Publikationsverzerrung: −0,09 kurzfristig, −0,31 langfristig.
  110. Hamilton, James D.: Historical Oil Shocks. NBER Working Paper 16790 (2011). nber.orgZehn von elf Nachkriegsrezessionen in den USA ging ein Ölpreisanstieg voraus.
  111. Oil & Gas Journal: 2026 brings new challenges for European diesel supplies. Ende 2025. ogj.comDer Nahe Osten war zu Jahresbeginn mit 340.000 Barrel am Tag Europas größter Diesellieferant.
  112. straits.live: Strait of Hormuz Status, 3. Oktober 2026. straits.liveMindestens sechs Schiffe in der Woche ab 27. September getroffen (Zählung des Dienstes, nicht unabhängig bestätigt).
  113. trucker.de: Reiche schließt Engpässe bei Treibstoffen nicht völlig aus. 2026. trucker.deBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zu möglichen Kraftstoffengpässen.
  114. EnergyNow: World oil market to see huge glut in 2026, IEA says. Oktober 2025. energynow.comDie IEA erwartete vor dem Krieg für 2026 einen Rekordüberschuss.
  115. ThePrint: India’s now importing pre-conflict levels of Gulf crude; share of Russian oil lowest since April. September 2026. theprint.inRund 3 Millionen Barrel am Tag aus dem Nahen Osten im September, 1,75 aus Russland.
  116. Autohaus (ADAC): 2012 war bislang teuerstes Tankjahr. Januar 2013. autohaus.deJahresmittel 2012: E10 1,598 €, Diesel 1,478 €.

Was die Rechnung nicht kann

  • Die Preisformel in Säule 07 ist die Formel der Branche, aber mit einem gebündelten Aufschlag für Raffinerie und Fracht. Ich habe ihn so gewählt, dass das Modell den 4. Oktober trifft; die tatsächliche Aufteilung zwischen Raffinerie, Fracht und Großhandel kennt nur, wer die Verträge sieht. Das Bundeskartellamt hat sie gesehen und daraus seine Empfehlung gemacht (Q81).
  • Die Deckung der Lücke in Säule 03 ist ein Überschlag aus IEA-Zahlen, die sich auf verschiedene Zeiträume beziehen: der Ausfall auf den August, der Nachfragerückgang auf das Jahr. Die Größenordnungen tragen, die Nachkommastellen nicht.
  • Die Frachtrechnung in Säule 04 nimmt eine VLCC-Rundreise von 40 Tagen an. Wer durch Hormus fährt, zahlt die Versicherung je Passage; wer um das Kap fährt, zahlt die Tage. Beides landet beim Liter, nur in anderer Höhe.
  • Wo zwei Quellen sich widersprechen, steht es im Text: die Schiffszählung gegen die HSBC-Schätzung zum Hormus-Verkehr, die ukrainische gegen die westliche Zählung der zerstörten russischen Raffinerien, der Terminpreis gegen den physischen Preis.
  • Mehrere Quellen sind Agenturmeldungen oder Branchendienste, die eine Primärquelle wiedergeben; wo das so ist, steht die Primärquelle im Titel. Die ADAC-, IEA-, EIA- und Destatis-Zahlen sind die tragenden Zahlen dieses Textes.